Ergebnisse Teil 1: Die Guten ins Töpfchen

Bei der Uni Hohenheim beginnt die Auswertung der Sojaernte

    Alle Daten sind eingegeben, die Hülsen der monatelang gehegt und gepflegten Sojapflanzen verpackt und verschickt. Aber was passiert jetzt? Während die 1000 Gärten-Teilnehmer ihre Gartengeräte winterfest verstauen, fängt die Arbeit der Uni Hohenheim erst richtig an.

    Seit Wochen stapeln sich in der Landessaatzuchtanstalt (LSA) in Eckartsweier, einer Außenstelle der Uni, die Pakete. Bunte Einkaufstüten, Papiertaschen oder selbstgenähte Leinensäckchen: „Beim Verpacken ihrer Ernte waren die Gärtner unglaublich kreativ“, erzählt Claudia Lange, Landwirtschaftlich-technische Assistentin. Und sorgfältig: Die allermeisten Sojaböhnchen kamen wohlbehalten an. Über manche Pakete freuten sich die Mitarbeiter der LSA besonders: Dann, wenn Schokolade oder selbstgebackenes Brot dabei war!

    Nach dem Auspacken heißt es, die Bohnen aus ihren Hülsen zu befreien. Mehrere Mitarbeiter und drei maschinelle Parzellendrescher helfen mit. „Bei rund 15.000 Proben geht das gar nicht anders!“, sagt Claudia Lange. Als nächstes werden der Eiweiß- und Ölgehalt der Sojabohnen gemessen. Dazu verwenden die Pflanzenzüchter die so genannte Nahinfrarotspektroskopie: Eine spezielle Infrarotlampe strahlt die Bohne an. Anhand des Lichts, das von der Bohne aufgenommen wird und nicht zurückstrahlt, wird gemessen, welche Mengen an wertvollen Inhaltsstoffen in der Hülsenfrucht stecken. Je mehr Protein eine Sojabohne enthält, umso besser wird der Tofu. Die vielversprechendsten Kreuzungen werden schließlich zu Taifun geschickt und dort zu kleinen Testtofus verarbeitet.

    Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg: Volker Hahn, Leiter des Arbeitsgebiets Sonnenblumen und Leguminosen der Landessaatzuchtanstalt, schätzt, dass die Infrarotmessungen bis zu vier Monate dauern werden. „1.250 Gärtner haben uns ihre Ernte geschickt, also rund die Hälfte der angemeldeten Teilnehmer. Da kommt eine Menge Material zusammen!“

    Bei den anderen waren Hagel, Schnecken, zu viel Regen oder persönliche Motive ein Grund, mit dem Experiment frühzeitig aufzuhören. Aber auch ihre bis dahin erhobenen Daten fließen in die Auswertung mit ein: Ein Masterstudent der Uni Hohenheim analysiert derzeit die riesige Datenbank, in der die Gärtner von Blütenfarbe über Pflanzenhöhe bis zu Reifedatum insgesamt 16 Beobachtungen im Vegetationsverlauf gesammelt hatten.

    „Für das Projekt wurden insgesamt 1.700 Sojakreuzungen in 1.700 Gärten angebaut“, erklärt Volker Hahn die Vorgehensweise. Dabei wurde jede Zuchtlinie nach Zufallsprinzip in zehn unterschiedlichen Gärten ausgesät. Zusätzlich haben alle Teilnehmer dieselben zwei Standardsorten mitausgesät, insgesamt standen also in jedem Garten zwölf Reihen Sojapflanzen. „Um die Linien regelmäßig über ganz Deutschland zu verteilen, hatten wir das Land in fünf Regionen eingeteilt. Als Grenze dienten Breitenkreise“, so der Sojaexperte. Jede Linie wurde doppelt in jeder Region angebaut. In den verbliebenen ca. 700 Gärten wurden je zehn weitere Sojasorten und die beiden Standardsorten ausgesät.

    Volker Hahn rechnet schon bald mit den ersten Ergebnissen aus dem Datenabgleich. Wir sind gespannt!

    Oktober 2016